in den Fächern Handarbeit, Werken und Hauswirtschaft
Die Ausbildung zur Primar- bzw. Oberstufenlehrperson ist in der Regel über die gymnasiale Ausbildung möglich. Im Gegensatz zu Bildnerischem Gestalten, Musik und Sport fehlen die Fächer Handarbeit (HA), Werken (WE) und Hauswirtschaft (HW) ganz im Fächerangebot der Mittelschulen. Die Maturandinnen und Maturanden bringen deshalb beim Eintritt in die PHR oder PHS kaum Vorbildung in HA, WE und HW mit.
Im schlechtesten Fall haben sie in der ersten Oberstufe je ein Semester HA und WE und in der zweiten Oberstufe ein Jahr HW besucht. An den pädagogischen Hochschulen sind die Fächer HA, WE und HW in der Gruppe der C-Fächer eingeteilt. Sie sollten somit auch die Möglichkeit einer gleichwertigen Vorbildung während der Mittelschulausbildung erhalten. Nur so bleiben die Chancen intakt, dass HA, WE und HW in der Ausbildung gewählt werden und, dass nach Abschluss der PHS/PHR gut ausgebildete Lehrpersonen die Fächer HA, HW und WE erteilen. In den Praktikas auf der Primarwie der Oberstufe zeigt sich nun leider deutlich, dass die Studierenden erhebliche Defizite im fachlichen Bereich mitbringen. Ich bitte die Regierung um die Beantwortung folgender Fragen:
1. Für die textile Handarbeit werden nach der Aufhebung des Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnen Seminars (AHLS) keine Fachlehrkräfte mehr ausgebildet. Wer soll die textile Handarbeit erteilen, wenn dafür nicht mehr ausreichend ausgebildete Lehrpersonen zur Verfügung stehen?
2. Wie soll der Übergang vom bisher durch speziell ausgebildete Handarbeitslehrkräfte (3-4 jährige Ausbildung) erteilen Handarbeitsunterreicht zu dem von Primarlehrkräften mit Vertiefung (3 Wochen Spezialisierung) erteilten textilen Werken gestaltet werden?
3. Wie wird das Ausbildungsdefizit im Bereich Handarbeit behoben?
4. Sollte das mit Kursen in der Berufseinführung oder in der Weiterbildung geschehen, sind diese dann Voraussetzung für die Erteilung des Handarbeitsunterrichts oder denkt man an ein Zusatzzertifikat?
5. Wie soll dem Defizit begegnet werden, das Maturandinnen und Maturanden aus den Kantonsschulen im Bereich Werken in die Lehrerbildung mitbringen?
6. Warum wird das Fach ‹Bildnerisches Gestalten› an den Mittelschulen nicht zu einem umfassenden Fach ‹Gestaltung› ausgebaut, das Zeichnen, Werken und textiles Werken umfasst?
7. Sieht die Regierung die Lösung des Problems der mangelhaft ausgebildeten Junglehrpersonen mit der Reduktion des Allrounderprinzips?
8. Mit der Reduktion des Handarbeitsunterrichts auf der Mittelstufe, gibt es einen Abbau an kreativer Gestaltung und feinmotorischer Ausbildung. Werden diese durch kostenintensive, sonderpädagogische Massnahmen kompensiert?»
25. September 2006
Mitunterzeichner
Ackermann-Fontnas, Aguilera-Jona, Antenen-St.Gallen, Baumgartner-Flawil, Beeler-Ebnat- Kappel, Bischofberger-Altenrhein, Blöchliger Moritzi-Abtwil, Blumer-Gossau, Boesch-St.Gallen, Boppart-Andwil, Bosshart-Altenrhein, Breitenmoser-Waldkirch, Britschgi-Diepoldsau, Büeler- Flawil, Bürgi-St.Gallen, Candrian-St.Gallen, Denoth-St.Gallen, Deubelbeiss-Rorschach, Dudli- Werdenberg, Eberhard-St.Gallen, Eggenberger-Hinterforst, Engeler-St.Gallen, Erat-Rheineck, Falk-St.Gallen, Furrer-St.Gallen, Gemperle-Goldach, Gilli-Wil, Göldi-Gommiswald, Götte- 2 - Tübach, Grob-Necker, Gysi-Wil, Habegger-Neu St.Johann, Hartmann-Flawil, Hasler-Widnau, Heim-Gossau, Hermann-Rebstein, Hoare-St.Gallen, Huber-Rorschach, Hug-Muolen, Huser- Wagen, Jermann-Kronbühl, Keller-Grabs, Kobelt-Marbach, Kofler-Schmerikon, Lehmann- Rorschacherberg, Lusti-Niederuzwil, Mächler-Zuzwil, Nietlispach Jaeger-St.Gallen, Nufer- St.Gallen, Oppliger-Frümsen, Pellizzari-Lichtensteig, Probst-Walenstadt, Ricklin-Benken, Ritter- Hinterforst, Rüegg-Rüeterswil, Rüesch-Wittenbach, Rutz-Bazenheid, Scheitlin-St.Gallen, Schläpfer-Wattwil, Schlegel-Goldach, Schmid-Gossau, Schöbi-Altstätten, Schrepfer-Sevelen, Solenthaler-St.Gallen, Storchenegger-Jonschwil, Thalmann-Kirchberg, Wachter-Bad Ragaz, Walser-Sargans, Walser-Vilters, Wang-St.Gallen, Widmer-Wil, Wild-Wald, Würth- RorschacherbergSchriftliche Antwort der Regierung vom 7. November 2006
In ihrer Interpellation weist Helga Klee-Berneck darauf hin, dass Studierende an den Pädagogischen Hochschulen (PH) mit einer Gymnasialmatura kaum eine Vorbildung in den Fächern Handarbeit, Werken und Hauswirtschaft mitbringen und deshalb in den Praktika in Folge der kurzen Ausbildung in diesen Fächern an den PH erhebliche Defizite aufweisen. Vor diesem Hintergrund fragt sie, welche Massnahmen die Regierung zur Behebung dieser Defizite künftiger Lehrpersonen in den Fächern Handarbeit, Werken und Hauswirtschaft zu treffen gedenkt. Die Regierung antwortet wie folgt:Mit der Aufhebung des ehemaligen Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnenseminars (AHLS) Gossau werden seit dem Jahr 2005 keine spezialisierten Fachgruppenlehrkräfte mehr in diesem Bereich ausgebildet. Die Fächer des AHLS wurden in die Studienpläne der Pädagogischen Hochschulen aufgenommen. Die Studierenden werden in den Fächern Handarbeit und Hauswirtschaft in etwa mit der gleichen Dotation wie in den Fächern Bildnerisches Gestalten und Werken ausgebildet, haben aber die Möglichkeit, sich vertieft mit dem textilen Werken zu befassen. Die Ausbildung in Handarbeit und Hauswirtschaft an den PH umfasst aber nur noch einen Bruchteil der drei- bis vierjährigen Ausbildung am ehemaligen AHLS.
Zu den einzelnen Fragen:
1. Die Lehrerinnen- und Lehrerbildung an der Pädagogischen Hochschule Rorschach (PHR) und an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHS) hat nicht den Auftrag, anstelle des aufgelösten AHLS Lehrkräfte für Handarbeit und Hauswirtschaft auszubilden. In Bezug auf die Handarbeit bestand und besteht der Auftrag darin, angehende Volksschullehrkräfte darauf vorzubereiten, dass sie textiles Werken als Bereich analog zu den Bereichen Werken mit Holz, Metall, Ton, Papier oder Kunststoff unterrichten können. Mit dem Besuch des Vertiefungsstudiums «Textiles Gestalten» bzw. entsprechender musischer Fächer auf der Oberstufe können sich interessierte Studierende vertiefen. Mit Blick auf die durch das Frühenglisch notwendigen Änderungen der Stundentafel in der Volksschule und die Überarbeitung des Volksschullehrplans sind auch die Lehrinhalte der Fächer Gestalten, Handarbeit und Werken neu festzulegen. Vorgesehen ist, dass ein integrales Fach «Gestaltung», das Zeichnen, Werken und textiles Werken zu je gleichen Anteilen umfasst, eingeführt wird. Dabei wird zu berücksichtigen sein, welche Ziele in diesem Fachbereich Ausbildung und Weiterbildung der Primar- und Oberstufenlehrpersonen erreichen können.
2./3. Sobald klar ist, welche Anforderungen im Bereich «Textiles Gestalten» künftig im Berufsfeld der Volksschule erfüllt werden müssen, können die Studiengänge an der PHR und an der PHS darauf überprüft werden, ob mit der gegenwärtigen Ausbildung diese Anforderungen erfüllt werden können. In einer Übergangslösung können die an der textilen Handarbeit interessierten Lehrpersonen in einem speziell auf die neuen Anforderungen hin konzipierten Weiterbildungspaket weiter qualifiziert werden.
4. In der Berufseinführung werden den Lehrpersonen spezifische Inhalte angeboten, die einen gewissen Praxishintergrund verlangen (z.B. Elternarbeit, Disziplinfragen, Beurteilung). Deshalb kann die Erhöhung der fachlichen Kompetenzen der neu ausgebildeten Lehrpersonen im textilen Gestalten nur im Rahmen der Weiterbildung geschehen. Zur Erhaltung der Qualität des Handarbeitsunterrichts und zum Schutz der weiterqualifizierten neu ausgebildeten Primar- und Oberstufenlehrpersonen kann der Hochschulrat eine Zertifikatslösung vorsehen.
5. Es trifft zu, dass die Stundendotation im Fach Werken im Gymnasium nicht hoch ist. Insbesondere ist der Unterricht nur im ersten Ausbildungsjahr obligatorisch. Ab dem zweiten Schuljahr wählen die Schülerinnen zwischen Werken und Musik. Defizite für die Erteilung des Werkunterrichts auf der Volksschulstufe können durch die Belegung des Ergänzungsfachs Bildnerisches Gestalten im letzten Ausbildungsjahr gemildert werden. Sie können zwar während der kurzen Ausbildung in der Lehrerbildung nicht vollständig kompensiert werden. Es kann aber nach dem vom Kantonsrat beschlossenen Sparpaket 2004 und dem damit verbundenen Lektionenabbau an den Gymnasien kein neues Fach eingeführt werden, das Mehrkosten verursacht.
6. Während des Gymnasiums besuchen die Schülerinnen und Schüler höchstens sechs Jahreswochenlektionen Unterricht im Fach bildnerisches Gestalten. Diese Zeit ist für die Vermittlung der Lerninhalte der beiden Teilbereiche Zeichnen und Werken knapp bemessen. Eine Ergänzung durch den Teilbereich textiles Werken würde aber den Lehrplan überladen. Es wird davon ausgegangen, dass die klassischen Kulturtechniken im textilen Werken nach wie vor durch die Volksschule vermittelt werden und es während der Mittelschulzeit den einzelnen Schülerinnen und Schülern überlassen bleibt, wie weit sie diese vertiefen und pflegen.
7. Das Allrounderprinzip ist mit der Einführung des Frühenglisch, das von den Primarlehrpersonen freiwillig gewählt werden kann, aber auch mit Blick auf die Vertiefung der Ausbildung in Diskussion. Mit der Modifizierung des Allrounderprinzips in der Ausbildung von Primarlehrpersonen könnten einzelne Schwerpunktbereiche gebildet und professioneller ausgebildet werden. Dies führte dann zu einem moderaten Fächergruppen-Lehrpersonen-Modell, wie es in anderen Kantonen bereits besteht. Entsprechende Diskussionen sind gegenwärtig im Gang.
8. Der Erziehungsrat hat am 23. Oktober 2006 mit dem Erlass der neuen Stundentafel beschlossen, es den Volksschulträgern zu überlassen, in der Mittelstufe der Primarschule im Bereich Gestalten, Handarbeit und Werken die bisherige oder die neu vorgeschlagene Stundentafel anzuwenden. In der bisherigen Stundentafel erteilen Primarlehrpersonen zwei Lektionen Gestalten mit der ganzen Klasse und drei Lektionen Werken mit der Halbklasse parallel zu drei Lektionen Handarbeit, die durch die Handarbeitslehrerin unterrichtet wird. Die neu vorgeschlagene Stundentafel sieht vor, die Kinder während je vier Stunden je Woche im integrativen Fach Gestalten / Werken konsequent in Halbklassen zu unterrichten. Dadurch kann das einzelne Kind intensiver betreut und gefördert werden; dies ist insbesondere im handwerklich-motorischen Bereich von besonderer Bedeutung.
Gestalterische und Feinmotorik fördernde Unterrichtselemente haben Eingang auch in die anderen Fachbereiche gefunden. Für die Oberstufe wird der Umfang der gestalterischen Fachbereiche nicht verändert. Ingesamt kann davon ausgegangen werden, dass kreative und feinmotorische Fähigkeiten weiterhin ungeschmälert gefördert werden. Ein von der Interpellantin befürchteter Zusammenhang zwischen dem minimalen Abbau in der Primarschule durch die neue Stundentafel und einer allfälligen Zunahme von sonderpädagogischen Massnahmen ist auszuschliessen.


